Last-Minute-Aufholjagd gegen 96

Erst eine klare Reaktion, dann Resignation und letztlich ein hart erkämpfter Punkt für den TSV! Vor dem Spiel war die Richtung klar vorgegeben: Die Havelser Jungs wollten den schwachen Auftritt gegen die U23 vom FC St. Pauli vergessen machen.

Direkt bei Anpfiff war zu erkennen, dass sich die Mannschaft dieses Ziel zu Herzen genommen hatte. Sie begann direkt mit frühem Pressing und versuchte schnell nach vorne zu spielen. Die Reserve von Hannover 96 wurde von diesem forschen Auftreten des TSV wohl etwas überrascht und fand kaum in das Spiel. Auch die Erfahrung von Spielern wie Fynn Arkenberg oder Samuel Sahin-Radlinger änderte daran nichts. Letzterer war es, der großen Anteil an der ersten dicken Chance der Partie hatte. Allerdings nicht für sein Team, sondern für den TSV. Niclas Bahn, der nach der aufopferungsvollen Leistung gegen St. Pauli, erneut rannte bis zum Umfallen, lief Sahin-Radlinger nach einem Rückpass an und zwang den 96-Keeper zu einer verkorksten Rettungsaktion. Der Ball trudelte Richtung Außenlinie, Bahn erlief ihn und schlug das Leder mit einem ansehnlichen Fallrückzieher in die Mitte. Dort fand er Rizzo, der diese sensationelle Hereingabe mit dem Kopf allerdings nur an die Latte setzen konnte (7. min) - ein Zeichen für das hohe Engagement der Havelser Jungs. 96 wirkte in dieser Anfangsphase fahrig und konnte keine klaren Situationen schaffen. In der 15. Spielminute kam es dann vor der Havelser Bank zu einer strittigen Situation: Niclas Bahn wurde von seinem Gegenspieler von hinten gefoult, die Bank des TSV plädierte geschlossen auf Tätlichkeit, da ein vermeintlicher Faustschlag gesehen wurde. Der Unparteiische Johan Pfeifer sah das jedoch anders und entschied lediglich auf Freistoß, was für reichlich Diskussionsstoff zwischen den beiden Ersatzbänken führte. Es ging also nach der Behandlungspause von Bahn mit einfachem Freistoß TSV weiter. In der Folge spielte der TSV also kurzzeitig in Unterzahl, da Bahn runter musste, aufgrund der auf dem Platz stattfindenden Behandlung. Diese Überzahl nutze 96 für einen guten Konter über ihre rechte Seite, Bähre schickte Mete Kaan Demir auf die Reise, dessen Hereingabe verpasste Malick Mboob jedoch knapp. Direkt im Gegenzug schlug der TSV jedoch zurück: Nach schnellem Umschalten legte Yannik Jaeschke auf Tom Merkens ab, der aus 18 Metern abzog, den Ball jedoch an den Pfosten zirkelte. Beide Mannschaften spielten hier mit offenem Visier und schenken sich nichts, ein ordentliches Derby. In der 20. Minute findet sich dann erneut der quirlige Demir mit dem Ball im Havelser Strafraum wieder. Max Radowski kann ihn stellen, den unerwarteten Schuss aus eigentlich zu spitzem Winkel jedoch nicht verhindern. Auch Keeper Alex Rehberg wirkte von diesem Schuss überrumpelt, bekam die Arme nicht mehr rechtzeitig hoch, sodass der Ball in den Maschen einschlug. 1:0 für 96! Von außen beobachtet eine etwas schmeichelhafte Führung für die „Roten“, da Havelse den spielbestimmenderen Eindruck machte zu diesem Zeitpunkt. Aber dieser Treffer zeigte Wirkung bei den Havelsern, 96 kam zu immer mehr Spielanteilen, die Führung war offenbar so etwas wie ein Weckruf für das Team von Trainer Mike Barten. Das Spiel beruhigte sich in den nachfolgenden Minuten etwas und beide Mannschaften versuchten Sicherheit in das eigene Spiel zu bekommen. Der Druck des TSV auf das 96-er Tor und die Härte in den Zweikämpfen nahmen immer weiter ab. In der 41. Minute wurde dann eine Unkonzentriertheit in der Havelser Abwehr eiskalt ausgenutzt. Havelse versuchte einen Konter zu fahren, verlor aber durch ein ungenaues Zuspiel den Ball. Die Rückwärtsbewegung war dann nicht schnell genug und Bähre konnte nach einem klasse Zuspiel hinter die Linien alleine vor Rehberg auftauchen. Der Keeper des TSV zeigte in dieser Situation seine Klasse und parierte den Schuss aus kürzester Distanz überragend. Den Abpraller bekam jedoch Tom Baller vor die Füße, der aus 18 Metern einfach abzog und den Ball im leeren Kasten unterbrachte. Eine ganz bittere Pille, die der TSV hier schlucken musste, gerade so kurz vor der Halbzeit. Eine schwierige Aufgabe für Trainer Benbennek, der die richtigen Worte für seine Mannschaft finden musste, um hier noch etwas Zählbares mitnehmen zu können.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit war keine deutliche Reaktion des TSV zu erkennen. 96 sicherte sich immer mehr Ballbesitz und die Havelser fanden kaum in die Zweikämpfe. Die gut 700 Zuschauer bekamen kaum nennenswerten Szenen mehr zu sehen. Der TSV wurde immer weiter zurückgedrängt, während 96 das Spiel verwaltete und auf Möglichkeiten wartete. Es sah immer mehr nach dem ersten Heimsieg der „Roten“ aus, da es kaum noch Gegenwehr von den Havelsern gab. In der 79. Minute versuchte es der eingewechselte Melvin Meyer nochmal mit einem Fernschuss, der landete jedoch auf dem Tornetz. In den letzten zehn Minuten wurde Havelse wieder aktiver, blieb jedoch zu unpräzise. In der 88. Minute gab es nach einem Foul von 96 im Halbfeld einen Freistoß für den TSV. Merkens brachte ihn scharf herein, eine sehr undankbare Aufgabe für Sahin-Radlinger, der erneut einen unsicheren Eindruck machte und den Ball in die Mitte abwehrte. Dort prallte der Ball, nach einigem Rumgestochere, von Fabian Wenzel ab und landete im Tor! Anschlusstreffer und großer Jubel bei den Havelser Fans. Hoffnung keimte auf beim TSV! Auf einmal war er wieder da, der Einsatzwille, die Leidenschaft. Der Ball konnte erobert werden und wurde einfach lang nach vorne geschlagen. Dort konnte 96 nicht klar klären, der Ball fiel Innenverteidiger Tobias Fölster vor die Füße, der aus zehn Metern überlegt im linken unteren Eck versenkte. Ausgleich! Riesenjubel an der Eckfahne! Der Torschütze unter einem Berg von Mitspielern begraben - ausgelassene Stimmung auf der Tribüne!

Niemand hatte mehr mit dieser Wendung gerechnet, aber die Mannschaft hat Herz gezeigt und eine verloren geglaubte Partie noch gedreht! Gerade die erste Halbzeit war eine klare Reaktion auf die Leistung gegen St. Pauli. Der Punkt war im Großen und Ganzen am Ende verdient und man kann den Schwung aus der Schlussphase mit in das kommende Heimspiel am 29.10. gegen den VfB Lübeck nehmen!